Biologisch abbaubar, kompostierbar und biobasiert: Was steckt wirklich hinter diesen Begriffen?

Wenn Produkte als "biologisch abbaubar", "kompostierbar" oder "biobasiert" beschrieben werden, denken viele Verbraucher, dass diese Produkte komplett aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Warum das jedoch oftmals nicht der Fall ist, erläutern wir in diesem Blog-Beitrag. Der Artikel ist gleichzeitig der Auftakt einer kleinen Blog-Serie mit dem Titel "Materialwissen".

Catharina Koch
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Biologisch abbaubar – Was bedeutet das?

Blogbild Biologisch abbaubar

Bei Produkteigenschaften lesen wir häufig den Hinweis "biologisch abbaubar". Doch was genau bedeutet das?

Biologisch abbaubar ist ein Produkt erst, wenn Mikroorganismen das jeweilige Material in seine elementaren Bestandteile wie Kohlenstoff, Sauerstoff, Wasserstoff und weitere Mineralien auflösen können. Dabei ist die Zeit, die für diesen Zersetzungsprozess gebraucht wird, unerheblich.

Ob ein Material biologisch abbaubar ist, hängt dabei nicht von der Rohstoffbasis ab, sondern von der chemischen Struktur des Stoffs. Das bedeutet, dass grundsätzlich auch Kunststoffe aus fossilen Rohstoffen biologisch abbaubar sein können. Andersherum können Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen eine Struktur aufweisen, die eine biologische Abbaubarkeit ausschließt.

Sind Organismen nicht in der Lage, die Materialien in ihre Bestandteile zu zersetzen, also biologisch abzubauen, zerfällt das Produkt in immer kleiner werdende Fragmente. Ausgelöst wird dieser Prozess durch:

  • Druck
  • UV-Strahlung
  • salzhaltiges Wasser oder
  • bestimmte Temperaturen

Derartige Fragmente befinden sich sehr lange in der Umwelt und können abhängig vom Fortschritt des Zerfalls dort großen Schaden anrichten. Herkömmliche Kunststoffe wie Polypropylen oder Polyethylen gehören nach Angaben des Deutschen Bundestages beispielsweise zu den nicht biologisch abbaubaren Kunststoffen.

Die biologische Abbaubarkeit von Produkten hängt also von der chemischen Struktur der verwendeten Materialien ab. Damit Unternehmen diese Informationen an den Kunden weitergeben können, sind sie auf transparente Angaben der Hersteller angewiesen. Erzeuger greifen dafür auf Zertifizierungen zurück, um die Abbaubarkeit oder andere Produkteigenschaften extern bestätigen zu lassen.

Kompostierbarkeit – industriell vs. Gartenkompost

Blogbild Kompostierbarkeit industriell vs. Gartenkompost

Mit dem Wort "kompostierbar" assoziiert die Mehrheit eine mögliche Entsorgung über den Haus- bzw. Gartenkompost. Daneben gibt es auch industrielle Kompostieranlagen. Hier sind bestimmte Bedingungen bezüglich der Feuchtigkeit und Temperatur einzuhalten, damit die Materialien innerhalb eines festgelegten Zeitraums von maximal drei Monaten zu fertigem Kompost verarbeitet werden.

Auch Produkte und Verpackungen aus Kunststoff können zur industriellen Kompostierung oder zur Gartenkompostierung zugelassen werden. Dazu bedarf es entsprechender Zertifizierungen mit denen notwendige Produkteigenschaften extern bestätigt werden können.

Maßgeblich für die Entsorgung in industriellen Kompostieranlagen ist die Norm EN 13432. Eine Kompostierung im Garten ist damit allerdings nicht möglich. Dafür können der australische Standard 5810 und die französische Norm T51-800 herangezogen werden.

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Biobasiert – Der Anteil macht‘s

Blogbild Anteil Biobasiert

Bei Produkten aus Naturmaterialien oder sogenannten Biokunststoffen fällt oft die Bezeichnung " biobasiert". Das klingt gut, aber was verbirgt sich dahinter? Eigentlich liegt die Vermutung nahe, dass Naturmaterialien und Biokunststoffe vollständig biobasiert sind, also komplett aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden.

Das ist nicht der Fall. Beispielsweise müssen neuartige Biokunststoffe wie PLA nur zu 40 % aus Biomasse bestehen, um als "biobasiert" deklariert zu werden. In der Praxis ist durchaus eine Mischung aus nachwachsenden und fossilen Rohstoffen möglich – vor allem in Verpackungen.

Kann man bei Produkten aus Naturmaterialien wie Zuckerrohr davon ausgehen, dass sie ausschließlich biobasierte Inhaltsstoffe enthalten? Nein, denn hier sind ebenfalls Additive und Zusatzstoffe denkbar, die nicht aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Auskunft über den biobasierten Anteil bieten wiederum verschiedene Zertifizierungsmöglichkeiten, wie beispielsweise das Prüfzeichen "Biobased" der NEderlandse Norm.

Von B wie Bagasse bis R wie recyceltem PET

Welche Materialien eignen sich als Alternative zu herkömmlichen Kunststoffverpackungen und warum? Diese und weitere Fragen beantworten wir Ihnen demnächst in weiteren Artikeln unserer kleinen Blogartikelreihe "Materialwissen“.