Inkontinenz – keine Frage des Alters

Etwa neun Millionen Deutsche leiden an Inkontinenz, dabei sind Frauen zwei- bis viermal häufiger betroffen als Männer. Eine hohe Dunkelziffer im Millionenbereich wird angenommen, da viele Betroffene aus Scham nicht zum Arzt gehen. Daher darf Inkontinenz schon lange nicht mehr als Tabuthema gelten.

Luisa Zock

Wenn der Körper die Fähigkeit verliert, den Blasen- oder Darminhalt zu speichern, und es zum ungewollten bzw. unwillkürlichen Urinverlust oder Stuhlabgang kommt, dann spricht man von Inkontinenz. Hier wird zwischen der sehr viel häufigeren Harn- und der selteneren Stuhlinkontinenz unterschieden, es können auch beide Formen auftreten. Statistisch gesehen steigt die Anzahl der Betroffenen im Alter, jedoch kann es vom Kindesalter an jede Person und in jedem Altersabschnitt aus den unterschiedlichsten Gründen treffen.

Wer nicht darüber redet, erhält auch keine Hilfe. Inkontinenz ist sehr häufig heilbar, und das Leben der Betroffenen soll lebenswert bleiben. Daher soll hier nun über die verschiedenen Formen der Harninkontinenz und ihre Therapiemöglichkeiten aufgeklärt werden.

Je nach Ursache unterscheidet man zwischen Belastungs-, Drang-, Misch- und Überlaufinkontinenz, supraspinaler und spinaler Reflexinkontinenz, extraurethraler Inkontinenz, Enuresis und Nykturie.

Belastungsinkontinenz

Die Belastungsinkontinenz wurde früher auch als Stressinkontinenz bezeichnet. Dabei geht der Urin meist in kleinen Spritzern ab, wenn man hustet, niest, lacht oder etwas Schweres hebt oder trägt. Die Ursache liegt in einem geschädigten Schließmechanismus der Harnröhre, was bei Männern durch eine  Prostata-Operation hervorgerufen werden kann, bei Frauen durch eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur nach Schwangerschaft und Geburt oder aufgrund der hormonellen Umstellung während der Wechseljahre.

Die Belastungsinkontinenz kann u. a. behandelt oder gar geheilt werden durch Beckenboden-Training, eine operative Wiederherstellung der Beckenboden- und Harnröhrenfunktion oder auch medikamentöse Therapiemöglichkeiten bei geringgradiger Inkontinenz.

Dranginkontinenz

Bei der Dranginkontinenz verspüren die Betroffenen einen unverhofften Harndrang und können diesen manchmal nicht mehr halten, bis sie die nächste Toilette erreichen. Der Urin geht dann als Schwall ab. Eine Instabilität des Blasenmuskels, eine Blasenentzündung sowie Tumore können Ursachen sein. Eine neurologische Erkrankung muss hier ausgeschlossen werden. Eine Dranginkontinenz ist sehr gut und erfolgreich mit Medikamenten behandelbar.

Mischinkontinenz

Wenn Belastungs- und Dranginkontinenz gemeinsam auftreten, spricht man von Mischinkontinenz. Hier muss überprüft werden, welche Kombination von Behandlungsmethoden erfolgreich ist. Während die Belastungsinkontinenz eher Frauen trifft, sind von der Drang- und Mischinkontinenz häufiger Männer nach einer Prostata-Operation betroffen.

Überlaufinkontinenz

Bei der Überlaufinkontinenz tropfen kleinste Urinmengen aus der maximal gefüllten Harnblase. Durch eine blockierte Harnröhre oder eine schwache Blasenmuskulatur kann die Blase nicht vollständig entleert werden. Dies kann durch Nervenschädigungen bei Diabetes oder anderen Krankheiten ausgelöst werden, durch Tumore oder auch Harnsteine. Je nach Ursache können verschiedene Behandlungsmethoden in Betracht gezogen werden, z. B. die operative Entfernung des Harnabflusshindernisses.

Supraspinale und spinale Reflexinkontinenz

Bei diesen beiden neurogenen Blasenerkrankungen geht das Gefühl verloren, wann die Blasse voll ist. So verliert man auch die Kontrolle über die Blasen- und Schließmuskelfunktion. Die spinale Reflexinkontinenz hat ihre Ursache in einer Schädigung des Rückenmarks, bei der supraspinalen Reflexinkontinenz liegt eine Leistungsstörung des Gehirns zugrunde. Die Therapiemöglichkeiten sind abhängig von der fachärztlichen Diagnose, aber manchmal kann Toilettentraining, auch in Kombination mit Medikamenten, helfen.

Extraurethrale Inkontinenz

Bei den bisher beschriebenen Formen der Inkontinenz geht der Urin durch die Harnröhre, die Urethra, ab. Es kann jedoch auch dazu kommen, dass kleine Gänge (sogenannte Fisteln) fehlgebildet werden und der Urin durch diese Fisteln nach außen tritt. Hier kann meist eine Operation helfen, den natürlichen Ausscheidungsweg wiederherzustellen.

Nykturie (nächtliches Wasserlassen bei Erwachsenen)

In der Regel ist der nächtliche Harndrang von der Trinkmenge vor dem Schlafengehen abhängig. Wer an Nykturie leidet, muss trotz üblicher Trinkmenge mehr als zweimal pro Nacht zur Toilette. Nykturie betrifft hauptsächlich ältere Menschen. Da es sehr vielfältige Ursachen gibt, muss der Facharzt diese richtig erkennen und behandeln.

Enuresis (nächtliches Einnässen bei Kindern)

Nach dem fünften Lebensjahr sollte ein nächtliches Einnässen bei Kindern nicht mehr regelmäßig vorkommen. Ist dies doch der Fall, sollte ein Facharzt abklären, ob bspw. psychosomatische Auslöser oder ein Harnwegsinfekt die Ursache sind. Je nach Diagnose können unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten in Betracht gezogen werden.

Wer sind die richtigen Ansprechpartner?

Grundsätzlich ist es wichtig, offen mit dem Hausarzt oder einem Spezialisten über die Symptome zu sprechen. Nur dann kann den Betroffenen geholfen werden. Ärzte aus Urologie, Gynäkologie, Proktologie, Chirurgie, Neurologie, Geriatrie und Rehabilitation stehen mit Rat und Tat zur Seite. Auch Apotheker, Physiotherapeuten und Sanitätshäuser geben weiterführende Informationen und stellen Hilfsmittel vor.

Viele nützliche Informationen bietet die Deutsche Kontinenz Gesellschaft unter www.kontinenz-gesellschaft.de.

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