Allgemeine Hygiene-Tipps

Neben den branchenspezifischen Hygienemaßnahmen gibt es auch einige Themen, die alle betreffen. Daher möchten wir uns hier unter anderem den Schutzmasken wie auch dem Hautschutz widmen. Im Downloadbereich finden Sie nützliche Plakate und Flyer rund um das Thema COVID-19.

Luisa Zock

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Zunächst ist wichtig zu erklären, wie die Übertragung des Virus funktioniert. Ohne dieses Wissen können wir uns nicht ordentlich schützen. Sicher wissen wir alle bereits, dass der Hauptübertragungsweg des Coronavirus die Tröpfcheninfektion ist. Die Übertragung kann aber auch über andere Wege stattfinden, z. B. als indirekte oder direkte Kontaktinfektion oder als aerogene Übertragung. 

Corona-Übertragungswege
  1. Tröpfcheninfektion 1-2 m: Die ggf. infizierten Tröpfchen, die beim Husten, Niesen, Sprechen sowie bei medizinisch aerosol-produzierenden Vorgängen, wie bspw. einer Intubation, entstehen, werden über eine kurze Distanz von 1 bis 2 Metern übertragen. Deshalb ist und bleibt der Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen Personen wichtig. Auch das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung kann helfen, diesen Infektionsweg zu vermindern.
  2. Indirekte Kontaktinfektion 4 h – 9 d: Das Coronavirus ist verschiedenen Studien zufolge zwischen 4 Stunden und 9 Tagen auf unbelebten Oberflächen überlebensfähig. Eine Übertragung über kontaminierte Oberflächen ist möglich. Für uns bedeutet das weiterhin, auf regelmäßiges und gründliches Händewaschen oder die Handdesinfektion zu achten, sowie darauf, sich nicht ins Gesicht zu fassen. Auch das Tragen von Einmalhandschuhen kann helfen.
  3. Direkte Kontaktinfektion ≥ 60 min.: Viren können auch durch unmittelbaren Kontakt übertragen werden, bspw. durch eine Berührung mit kontaminierten Händen. Die meisten Viren bleiben mindestens 60 Minuten auf Händen infektiös. Auch hier gilt für uns weiterhin die regelmäßige und gründliche Händehygiene. Auch auf das Händeschütteln oder Umarmen sollten wir verzichten.
  4. Aerogene Übertragung 16 h: Die aerogene Übertragung passiert über den Luftweg durch das Einatmen erregerhaltiger Partikel. Die Partikel des Coronavirus bleiben bis zu 16 Stunden infektiös. Das Tragen einer Maske hilft dabei, selbst keine erregerhaltigen Partikel in die Umgebung auszustoßen und keine Erreger einzuatmen. Je nach Maske funktioniert dieser Eigen- und Fremdschutz mal schlechter und mal besser.

Hautschutz

Im Kampf gegen COVID-19 ist die Händehygiene eine der wichtigsten Maßnahmen. Das stetige Waschen und Desinfizieren der Hände kann schnell dazu führen, dass diese trocken, gerötet oder rissig werden. Mit der richtigen Pflege sorgen wir dafür, dass unsere Hände dieser starken Belastung gewachsen sind.

 

Wie pflege ich meine stark beanspruchten Hände?

Das Motto für gesunde Haut heißt: Beugen Sie vor! Schützen Sie sich vor Belastungen durch Wasser, Chemikalien, Seife, Reiniger, Staub, aggressive Stoffe oder Kontakt mit infektiösem Material. Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen sind nach dem Arbeitsschutzgesetz verpflichtet, für ihre Beschäftigten geeignete Schutzmaßnahmen zu treffen, Schutzmittel zur Verfügung zu stellen und über den richtigen Gebrauch aufzuklären.

Wichtig für gesunde Haut ist vor allem:

  • Arbeit hautverträglich organisieren: hautreizende Tätigkeiten möglichst auf mehrere Mitarbeitende verteilen
  • Geeignete Schutzhandschuhe tragen
  • Die Haut häufig und gründlich mit schützenden Cremes pflegen
  • Hände schonend reinigen und richtig desinfizieren

Für das Eincremen nach der Arbeit und in der Freizeit sind fetthaltige Cremes zu empfehlen, um der Haut ausgewaschene Fette und Feuchtigkeit zurückzugeben.
Empfohlen wird die Anwendung duftstofffreier Produkte.

Üblicherweise werden Hautpflegemittel während längeren Pausen und nach Arbeitsende aufgetragen. Sie können aber auch zwischendurch, z. B. nach dem Händewaschen, angewendet werden.

Tipp: Beim Eincremen an Fingerkuppen, Nagelfalz und Fingerzwischenräume denken!

 

Was muss beim Tragen von Handschuhen beachtet werden?

Werden Einmalhandschuhe verwendet, ist Folgendes zu beachten:

  • Handschuhe nur über saubere und trockene Hände ziehen
  • Hautschutzcremes erst vollständig einziehen lassen
  • Handschuhe nur so oft und lange wie nötig tragen
  • bei längerem Tragen möglichst nahtfreie Baumwollhandschuhe unterziehen, die den Schweiß aufsaugen
  • Handschuhe wechseln, wenn sie innen feucht sind
  • nach der Benutzung Hautpflegemittel auftragen

Die Anwendung von Hautschutz- oder Hautpflegemitteln direkt vor dem Anziehen von Einmalhandschuhen wird nicht empfohlen, da für eine Schutzwirkung (Verringerung der Hautquellung, bzw. des Schwitzens) bisher keine überzeugenden Wirksamkeitsnachweise vorliegen. Zudem kann je nach Zubereitungsform das Aufquellen der Haut unter dem Handschuh und das Herauslösen von Handschuhinhaltsstoffen gefördert werden.

Einmalhandschuhe

Handschuhe als Persönliche Schutzausrüstung gibt es in vielen Bereichen – in Fabriken, Werkstätten und anderen Betrieben, wo an und mit Maschinen gearbeitet wird, aber auch im medizinischen Bereich, im Umgang mit Lebensmitteln oder bei der Gebäudereinigung. Jede Arbeit bringt dabei ihre eigenen Anforderungen an die Handschuhe mit sich.

Da das Coronavirus auf vielerlei Wegen über unsere Hände übertragen werden kann, sei es auf direktem Wege beim Händeschütteln oder auf indirektem Wege durch das Anfassen einer kontaminierten Oberfläche, ist und bleibt die Handhygiene eine der wichtigsten Vorkehrungen und Einmalhandschuhe bieten einen guten Schutz gegen das Virus. Sie können auch im privaten Umfeld genutzt werden, um sich und andere zu schützen. Doch gibt es bei der Benutzung von Handschuhen einiges zu beachten.

Die drei Dos & Don'ts

+   Zunächst ist je nach Einsatzgebiet entscheidend, welche Handschuhe geeignet sind. Um nachweislich gegen Viren geschützt zu sein, müssen die Handschuhe der EN ISO 374-5:2016 Norm entsprechen.

+   Die Hände müssen vor und nach der Nutzung der Handschuhe gründlich gereinigt werden.

+   Des Weiteren sollten passende Handschuhe gewählt werden, die eng, aber nicht zu eng, um die Finger und Handgelenke liegen.

-   Einweghandschuhe niemals wiederverwenden.

-   Beschädigte oder verunreinigte Handschuhe sollten nicht verwendet werden.

-   Während dem Tragen der Handschuhe darf sich nicht ins Gesicht gefasst werden.

Anzieh- und Ausziehanleitung

Für die Reduzierung einer Ansteckungsgefahr sollte die korrekte Technik zum An- und Ausziehen der Handschuhe angewandt werden:

Anziehanleitung:

  1. Waschen oder desinfizieren Sie die Hände. Nehmen Sie einen Handschuh aus dem Spender. Vermeiden Sie eine Verunreinigung durch ein Berühren der Finger. Prüfen Sie den Handschuh auf Löcher oder Risse.
  2. Die meisten Einmalhandschuhe können sowohl an der linken als auch an der rechten Hand getragen werden. Wenn Sie spezifische Handschuhe verwenden, richten Sie deren Finger und Daumen an Ihrer Hand aus, damit Sie sicher sind, dass Sie an jeder Hand den richtigen Handschuh tragen.
  3. Führen Sie die fünf Finger in die Stulpe ein. Ziehen Sie die Stulpe über das Handgelenk.
  4. Wiederholen Sie diesen Vorgang für das Anziehen des anderen Handschuhs.

Ausziehanleitung

  1. Greifen Sie die Außenkante des Handschuhs nahe der Innenhandfläche.
  2. Ziehen Sie den Handschuh von der Hand ab, indem Sie die Innenseite nach außen stülpen. Halten Sie ihn mit der anderen behandschuhten Hand.
  3. Schieben Sie einen unbehandschuhten Finger unter den Handgelenkbund des verbleibenden Handschuhs. Achten Sie sorgfältig darauf, die Außenseite des Handschuhs dabei nicht zu berühren.
  4. Stülpen Sie den restlichen Handschuh von innen nach außen, sodass ein „Beutel“ entsteht, der beide Handschuhe enthält. Entsorgen Sie die Handschuhe ordnungsgemäß. Waschen oder desinfizieren Sie die Hände.

 

Hier eine kurze Videoanleitung zum korrekten Anziehen von Handschuhen:

© chinnarach / stock.adobe.com / 187350051 & © igefa

Einmalhandschuhe müssen, wie der Name schon sagt, nach einer Benutzung entsorgt werden und dürfen kein weiteres Mal wiederverwendet werden. Die Handschuhe gehören in einen ausgekleideten Mülleimer, sodass einer weiteren Kontaminierung entgegengewirkt wird. Beim Entsorgen sollte darauf geachtet werden, die Außenseite der Handschuhe nicht zu berühren.

Schutzmasken

Dass Menschen mit Maske vor dem Gesicht unterwegs sind, gehört inzwischen zu unserem Alltag. Unser Blick wird geschärft und so achten wir vermehrt darauf, ob und wie jemand sich und seine Umgebung schützt. Dabei fallen unterschiedliche Maskentypen auf. Im Folgenden erklären wir, welche Masken unterschieden werden und welchen bzw. wie viel Schutz sie bieten.

Welche Masken gibt es?
Partikel-filtrierende Halbmasken (FFP-Masken)

FFP-Masken werden in erster Linie im medizinischen Umfeld getragen, wo sich gesundheitsschädliche Stoffe in der Luft befinden. Die Masken halten Schadstoffe ab – je nach Filterleistung gibt es FFP1-, FFP2- und FFP3-Masken. Dabei halten nur FFP2- und FFP3-Masken auch Viren ab.

Des Weiteren können die FFP-Masken ein Ausatemventil haben. Masken ohne Ventil filtern sowohl die eingeatmete, als auch die ausgeatmete Luft und dienen dadurch als Eigen- und Fremdschutz. Masken mit einem Ventil dienen nur dem Eigenschutz, da die Ausatemluft nicht gefiltert wird.

FFP2-Masken ohne Ventil finden Sie hier.

Medizinischer Mund-Nasen-Schutz (OP-Masken)

Auch OP-Masken werden im medizinischen Arbeitsumfeld getragen. Sie sind hauptsächlich für den Schutz des Umfelds gedacht, da sie die Verbreitung von Speichel- oder Atemtröpfchen des Trägers verhindern. Sie zählen zu den Medizinprodukten und erfüllen entsprechende gesetzliche Vorschriften.

Medizinische Gesichtsmasken finden Sie hier.

Mund-Nasen-Bedeckungen (MNB)

Mund-Nasen-Bedeckungen werden aus handelsüblichen Stoffen und in einer großen Vielfalt hergestellt, auch Schals vor Mund und Nase zählen dazu. Sie fungieren als eine Barriere für die Übertragung von Atemtröpfchen oder Speichel beim Atmen, Husten oder Niesen. Diese Bedeckungen erfüllen keine gesetzlichen Vorschriften und sind daher nur für den Alltagsgebrauch geeignet.

Schutzvisiere

Auch Schutzvisiere werden immer häufiger benutzt. Das gebogene Plastikschild wird an der Stirn befestigt und dient als Schutzbarriere zwischen Gesicht und Viren. Da es kein geschlossenes System ist und Viren immer noch von unten oder von den Seiten ihren Weg finden können, wird das Visier von Experten eher als sinnvolle Ergänzung zu anderen Maßnahmen gesehen. Vorteilhaft ist hier aber auf jeden Fall, dass auch die Augen geschützt werden.

  FFP2/FFP3-Maske mit Ventil FFP2/FFP3-Maske ohne Ventil OP-Masken Mund-Nasen-Bedeckungen Schutzvisiere aus Kunststoff
Schützt den Träger           ✔           ✔ eingeschränkt eingeschränkt eingeschränkt
Schützt das Umfeld           X           ✔           ✔ eingeschränkt eingeschränkt
Für den Einsatz im medizinischen Bereich geeignet           ✔           ✔           ✔           X           X

 

Generell sollte im Alltag der Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen Personen eingehalten werden. Die Hust- und Niesregeln bleiben auch mit Maske gültig, ebenso die regelmäßige und gründliche Händehygiene.

Was muss man beim Benutzen von Schutzmasken beachten?

Das Aufsetzen, Tragen und Abnehmen einer Maske birgt bei falscher Anwendung die Gefahr, dass das Infektionsrisiko sogar erhöht wird. Daher sollte man sich unbedingt an die folgenden Ratschläge halten:

Wichtige Verhaltensregeln
  • Stets so verhalten, als ob man keine Maske tragen würde
  • Die Maske so behandeln, als ob sie mit Viren verunreinigt wäre
  • Berührungen im Gesicht und an der Maske vermeiden
  • Nicht auf den Abstand zu anderen Menschen verzichten
  • Trotz Maske in die Armbeuge husten und niesen
Vorbereitung
  • Lange Haare zu einem Zopf nach hinten binden
  • Bart mindestens so weit abrasieren, dass er komplett unter der Maske verschwindet
  • Brille absetzen
  • Die Hände sehr gründlich mit Seife waschen (Link!)
Aufsetzen
  • Maske nur von außen berühren
  • An den Gummibändern anfassen, vor das Gesicht halten und die Gummibänder hinter die Ohren ziehen
  • Nasenbügel auf die Nase drücken, dass die Maske sich an Nase und Wangen anschmiegt
  • Mit Daumen und Zeigefinger die Maske nach unten über das Kinn ziehen
  • Brille aufsetzen
Tragen
  • Bei der ersten Verwendung testen, ob die Maske genügend Luft durchlässt, um das normale Atmen so wenig wie möglich zu behindern
  • Maske nicht mit den Händen berühren
  • Maske nicht zwischendurch unters Kinn ziehen und dann wieder vor das Gesicht bringen; dann muss eine neue Maske genutzt werden
  • Maske spätestens wechseln, wenn sie durch Atemluft durchfeuchtet ist: OP-Masken können bis zu 4 h eingesetzt werden, ohne dass die Schutzwirkung verloren geht, bei FFP-Masken bleibt die Schutzwirkung bis zu 8 h bestehen.
Abnehmen und Entsorgen
  • Nicht die Maske anfassen, sondern beide Gummibänder gleichzeitig mir den Händen nach vorne unten ziehen
  • Kurz den Atem anhalten, da sich auf der Maskenoberfläche Viren befinden können
  • Einmalmasken in einen abgedeckten Mülleimer werfen
  • Hände gründlich mit Seife waschen

 

Eine kurze Videoanleitung für das korrekte Aufsetzen und Abnehmen der verschiedenen Maskentypen finden Sie hier:

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com / 160899193 & © igefa
Desinfektion der Masken

Nach der Verwendung und bis zur Desinfektion sollte die Maske luftdicht, z. B. in einem separaten Beutel, aufbewahrt werden. Dabei sollte die Aufbewahrung möglichst nur über kurze Zeit dauern, um Schimmelbildung zu vermeiden. Wenn Herstellerangaben zur Desinfektion existieren, sollten diese unbedingt befolgt werden. OP-Masken und FFP-Masken sind Einwegartikel und sollten nach der einmaligen Verwendung entsorgt werden. Für jegliche selbstgemachte Masken gibt es verschiedene Methoden, ebenjene zu desinfizieren.

Aufhängen und abwarten

Diese Möglichkeit kann man für alle Masken anwenden, sie ist aber auch die zeitintensivste Methode, da man nicht genau sagen kann, nach wie vielen Tagen wirklich alle Viren zerstört sind, die sich möglicherweise auf der Maske befinden. Ein dreitägiges Hängenlassen sollte prinzipiell ausreichen – insbesondere draußen und bei Sonne.

Waschen in der Waschmaschine

Diese Methode ist wohl am praktikabelsten. Die Stoffmasken sollten mit Vollwaschmittel bei mindestens 60°C gewaschen werden.

Erhitzen im Backofen

Trockenes Erhitzen für 30 Minuten bei 60-90°C ist eine gute Möglichkeit, Viren zu zerstören. Backöfen leiten aber Luft nach außen; insbesondere bei Umluft könnten darüber auch Viren entweichen. Ein vorheriges Vorheizen kann diese Gefahr etwas reduzieren.

Heißes Bügeln

Diese Variante könnte ähnlich gut wie das Erhitzen im Backofen funktionieren. Allerdings besteht hier die Gefahr, dass die Einwirkzeit zu kurz ist oder dass die nötige Hitze zwischen zwei Stofflagen, bei dickem Stoff oder an den Nähten nicht konstant erreicht wird.

In einem Topf mit Wasser aufkochen

Die Hitze beim Aufkochen soll die Viren zerstören. Über den Dampf werden sie gegebenenfalls in der Küche verteilt.

BITTE NICHT!

Die Maske einzufrieren zerstört das Virus nicht: Nach dem Auftauen ist es wieder aktiv.

Das Einsprühen mit Desinfektionsmittel oder Seifenlauge kann die Schutzwirkung der Maske weiter herabsetzen.

Die Desinfektion in der Mikrowelle kann gefährlich werden: Bei Masken mit Metallbügeln kann es zu Plasmaentladungen kommen, die die Maske sogar in Brand setzen können.

Auch die Nutzung von UV-Lampen, wie sie z. B. zur Teichentkeimung genutzt werden, ist gefährlich: Die UV-C-Strahlung ist für das Auge unsichtbar, kann aber schon nach wenigen Sekunden Horn- und Bindehaut schädigen.

Ausbruchmanagement

Der Umgang mit Infektionen wurde gerade durch die Corona-Pandemie auf den Prüfstand gebracht und auch für die Zukunft sollten wir alle daraus lernen und bei der nächsten Infektion gewappnet sein. Mit einem gut organisierten Ausbruchmanagement können Pflegeeinrichtungen sich auf diese Situation vorbereiten. Was genau eigentlich „Ausbruch“ bedeutet und wie so ein Management aussehen kann, das möchten wir Ihnen im Folgenden aufzeigen.

Die Zunahme von Krankheitsfällen mit gemeinsamer Ursache über die örtliche und zeitliche Norm hinaus wird als „Ausbruch“ verstanden. Das heißt für aktuelle Situation, dass eine Erkrankung von mindestens zwei Bewohnern erfolgt sein muss (nicht nur eines Bewohners). Wenn dies der Fall ist, muss der Ausbruch(team)leiter informiert werden und sofort Maßnahmen zur Eindämmung weiterer Gefahren und Übertragungswege einleiten. Diese Maßnahmen werden unten im Text in der Checkliste erläutert. Es lohnt sich auf jeden Fall, nicht nur alle Mitarbeiter in den betreffenden Maßnahmen zu schulen und über die Themen Basishygiene, Umgang mit Reinigungsmitteln sowie biologischen Arbeitsstoffen, Arznei- und Desinfektionsmitteln zu informieren, sondern auch Krisensituationen zu simulieren.

Checkliste Ausbruchmanagement

1. Feststellung des Auslösers / Lagebericht

  • Welche Bewohner sind betroffen? In welchem Wohnbereich? Angabe zu Zeit und Ort des Ausbruchs
  • Infektionsquelle lokalisieren (z.B. Verlegung, Rückkehr aus Krankenhaus?)
  • Was haben die Bewohner gegessen? > Prüfung der gesicherten Rückstellproben in der Küche
  • Bei Erkrankung von Mitarbeitern: sofortige Freistellung
  • Frühestens zwei Tage nach Ende der Symptomatik die Arbeit wiederaufnehmen
  • Aushang eines Hinweises am Eingang der Einrichtung zu Präventionsmaßnahmen
  • Im Pandemiefall: sofortige Schließung der Einrichtung

2. Vorbereitung von Daten

Unter Einhaltung der DSGVO müssen Wohnbereichsleiter und Pflegedienstleiter der Einrichtungsleitung folgende Daten vorlegen: Name und Vorname der Bewohner, Geburtsdatum, Name der stationären Einrichtung mit Straße und Sitz.

3. Erstellung einer Verdachtsdiagnose

Basierend auf den Symptomen sollte eine Verdachtsdiagnose gestellt werden (z.B. CoV-2 bei trockenem Husten und Fieber oder Norovirus bei Durchfall mit Erbrechen). So kann auch die typische Inkubationszeit ermittelt werden.

 

4. Meldung an das Gesundheitsamt

  • Innerhalb von 24 Stunden nach Sichtung von mind. zwei Bewohnern, die an der gleichen Erkrankung erkrankt sind, meldet die Einrichtung den möglichen Ausbruch ans Gesundheitsamt
  • Sollte ein Arzt bereits einen Ausbruch oder eine Infektion gemeldet haben, kann die Meldung ausbleiben
  • Durch die Meldung kann sich die Gesundheitsbehörde auch als Berater beteiligen
  • Alle weiteren Fälle sind natürlich auch dem Gesundheitsamt zu melden

 

5. Festlegung des Handlungsbedarfs in den Wohnbereichen

  • Kennzeichnung des betroffenen Zimmers (Achtung: nicht ohne Schutzmaßnahmen betreten)
  • Alle Vorsichtsmaßnahmen für ein Isolierzimmer anwenden
  • Die betroffenen Bewohner bleiben im Zimmer
  • Mitbewohner sind zu isolieren (Beachtung der entsprechenden Inkubationszeit!)
  • Bei einer möglichen Kontamination über Aerosole sind Mitarbeiter mit FFP2/FFP3-Schutzmasken auszustatten und ihre Anwendung sicherzustellen
  • Verwendung von viruziden und sporiziden Flächendesinfektionsmitteln, solange der Auslöser nicht bekannt ist (Achtung: auch bei der Desinfektion kann eine aerosole Kontamination erfolgen)

6. Hygiene- und Schutzmaßnahmen

  • Korrekte Durchführung der Händehygiene (ggf. Schulung des Personals)
  • Ausstattung an Seifenspendern, Händedesinfektionsmittel, Einmalhandtüchern und Abwurf überprüfen
  • Persönliche Schutzausrüstung tragen (nichtsterile Einmalhandschuhe, Schürzen und Schutzkittel mit CE Kennzeichnung oder gem. DIN 14126) sowie Aufklärung der Bewohner über das Tragen der PSA
  • Mitarbeiter und Bewohner sollten viruzide kleine Desinfektionsflaschen bekommen und in der richtigen Anwendung unterrichtet werden
  • Das Zimmer des Betroffenen reinigen und desinfizieren, außerdem alle relevanten Handläufe, Türklinken, Türen, Haltegriffe und Gegenstände
  • Mitarbeiter des betroffenen Bereichs sollen bei Verlassen des Bereichs oder der Einrichtung ihre Bereichskleidung wechseln
  • Die gesamte Wäsche sollte in der Einrichtung gewaschen werden
  • Die Wäscheversorgung des betroffenen Bereichs überprüfen
  • Die Spülpläne überprüfen sowie die Nutzung von Trinkwasser aus den Nasszellen der Bewohner ausschließen
  • Das Wasser aus den Zimmern der betroffenen Bewohner überprüfen
  • Die korrekte Entsorgung von infektiösem Material beachten, bis die Ergebnisse der Untersuchung feststehen

7. Information der Bewohner

Um die weitere Infektionsverbreitung zu vermeiden, sollten alle Bewohner über den Ausbruch informiert werden und die Empfehlung zur Absonderung zu den Betroffenen oder deren Mitbewohner erhalten.

 

8. Information der Angehörigen

  • Angehörige über den Vorfall informieren sowie über die Vermeidung eines unangemeldeten Besuchs während der (möglichen) Infektion benachrichtigen
  • Sollten Bewohner aus einem kontagiösen Bereich in eine andere Einrichtung umziehen mögen, müssen die Angehörigen über die neue Zieleinrichtung informiert werden
Bildnachweise:

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